Archäologie in Oberhofen
2015 haben wir mit der großen Archäologie-Vitrine ein zweites museales Standbein geschaffen. Den Anstoß gaben die bedeutenden Funde vom Pircherwald. Nachdem sich die Wogen der heiklen Fundgeschichte halbwegs gelegt hatten, setzte sich Helmut Kirchmair mit dem Chronistenteam für den Erhalt der Artefakte am Fundort Oberhofen (Genius Loci) ein. Schließlich gelang es der Gemeinde, das umfangreiche Fundmaterial zu erwerben und wir haben uns um eine angemessene Präsentation bemüht. Das Ausstellungskonzept stammt von Prof. Gerhard Tomedi und Graphiker Andreas Blaickner (Uni Innsbruck) sowie Mag. Johannes Pöll (BDA). Gebaut wurde die Vitrine von zwei MeisterInnen ihres Faches: Alexandra und Toni Poyer.
Chronologie der Funde in Oberhofen: Die allererste Fundmeldung, eine „Bronzenadel mit großem Kopfe“, stammt aus dem Jahr 1883. Später wurden zwei Fibeln und angeblich auch eine römische Goldmünze gefunden – ein seltenes Ereignis, weil wertvolle Münzen nicht leichtfertig verloren gingen.
Im Jahre 1998 gab der Fund einer Lanzenspitze dann Anlass zur ersten Sondierungsgrabung im Krautfeld. Dabei wurden Artefakte ans Tageslicht befördert, die das Krautfeld als prähistorisches und als römerzeitliches Siedlungsgebiet auswiesen. Kaum jemand im Dorf nahm jedoch Notiz davon.
Als aber 2012 die eingangs erwähnten Funde vom Pircherwald bekannt wurden, erwachte das Interesse. Wie kann es sein, dass römische Funde militärischer Herkunft ausgerechnet in Oberhofen auftauchen – ganz zu schweigen von den beiden raetischen Statuetten? Wir nehmen die Antwort vorweg: die Pircherwald Funde sind Weihegaben, die absichtlich deponiert wurden.
Zurück zum Krautfeld , das inzwischen den Status einer Funderwartungszone inne hatte: Dort erfolgten von 2016 bis 2024 vier bauvorgreifende Grabungskampagnen. Dabei wurden Siedelungsspuren aus der Bronze-, Eisen- und vor allem der Römerzeit geborgen. Die römerzeitlichen Befunde charakterisieren das Grabungsgebiet als Umfeld eines römischen Gutshofes.
Eine Übersicht ...
1884
1884 verzeichnet das Ferdinandeum unter den Neuerwerbungen „Eine Bronze-Nadel mit großem Kopfe, defect. Gefunden angeblich bei Oberhofen (Telfs) 1883“.
1905
1905 verzeichnet das Ferdinandeum weitere hiesige Fundzugänge: „Oberhofen: Einschleifige Bogenfibel und eine Charnierfibel mit dreieckiger Bügelspitze, beide aus Bronze“.
Laut Anton Höck soll auch eine heute verschollene römische Goldmünze aus Oberhofen stammen.
1977
1977 hat Deo Aglibut in seinem Garten westlich der Pizzafabrik eine Lanzenspitze (jüngere Eisenzeit) gefunden. Da die Erde für den Garten angeliefert wurde, könnte sekundäre Lage vorliegen.
1998
1998 barg Hubert Schreier im Krautfeld eine weitere Lanzenspitze, die sich in der Erdäpfelmaschine verkeilt hat und einige Jahre später in der gleichen Gegend einen antiken Mühlstein, der im Grubber hängengeblieben ist.
1999
1999: Erste archäologische Grabung im Krautfeld durch das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Freigelegt wurden Siedlungsstrukturen der späten Bronzezeit sowie Keramikfragmente aus der späten Bronzezeit, der Eisenzeit und der Römerzeit.
2010
2010: Funde im Pircherwald
2016
2016: Archäologische Grabung im Krautfeld am Gelände des Recyclinghofes
2021
2021: Archäologische Grabung im Krautfeld am Cibex-Areal
2023
2023: Archäologische Grabung im Krautfeld am Steffan-Areal
2024
2024: Archäologische Grabung im Krautfeld am Nox-Areal
Jetzt besuchen wir die archäologischen Fundorte und stellen das Fundmaterial im Einzelnen vor. Wir beginnen mit den ersten Fundberichten aus dem Ferdinandeum. Dann begeben wir uns in den Pircherwald, wo die spektakulären Bronzestatuetten den Anstoß für die archäologische Sammlung im Heimatmuseum gaben. Schließlich verfolgen wir die Grabungskampagnen am prähistorischen und römerzeitlichen Siedlungsplatz Krautfeld.

1884
Die Bronzenadel mit großem Knopfe ist der erste dokumentierte Fund eines „Altertums“ auf Oberhofer Boden. Diese Schmucknadel kam über den eifrigen Sammler, dem späteren verdienten Vorstand Dr. Franz von Wieser, als Geschenk an das Landesmuseum Ferdinandeum.

1905
Das Ferdinandeum dokumentiert weitere Fundzugänge aus Oberhofen: eine hallstattzeitliche Bogenfibel (sie gilt als verschollen) und eine kräftig profilierte Fibel mit trapezförmigem Fuß aus Bronze (siehe Abb.) – eine römerzeitliche Fibel des 1./2. Jh. n. Chr.
Quelle: A. Höck/W. Neubauer, Archäologische und geophysik. Untersuchungen auf dem Krautfeld bei Oberhofen. In: Alexander Zanesco (Hrsg.), Hörtenberg 2. Archäologie und Geschichte im Raum Telfs. Nearchos Sonderheft 7, 2002, 34, Abb. 1.
2010: Die Funde vom Pircherwald
Die Pircherwaldfunde machte ein Sondengeher um das Jahr 2010, wobei die problematische Fundgeschichte nicht ohne Nachspiel über die Bühne ging. Schließlich wurden die Funde durch das Bundesdenkmalamt (BDA), die Universität Innsbruck und die bayrische Akademie der Wissenschaften bearbeitet. Zugleich wurde das Fundgebiet neuerlich unter die Lupe genommen.
Das Fundspektrum: Bronzestatuetten und Werkzeuge der Raeter sowie römische Militaria. Der Fundort unterhalb der Kapelle Maria Schnee und das breite Fundspektrum lassen eine absichtliche Niederlegung als Weihegaben vermuten. Dazu passt, dass beide Bronzefiguren nah beieinander ca. 25 cm tief in lehmigem Boden lagen. Beide Statuetten besitzen einen Sporn am Fuß, waren also ursprünglich auf einem Sockel befestigt. Sie bilden jedoch keine Einheit, eine Ähnlichkeit besteht nur auf dem ersten Blick, sie unterscheiden sich stilistisch und thematisch. Die Herkunft der Statuetten, ob aus heimischen Werkstätten oder importiert, liegt im Dunkeln, zumal auch eine Materialanalyse keine brauchbaren Ergebnisse lieferte.
© Bildquellen:
links: Bronzestatuetten frisch aus dem Boden, Toni Kartnaller (Finder),
oben: Heimatmuseum Oberhofen
© Bildquellen:
ganz oben: Bronzestatuetten frisch aus dem Boden, Toni Kartnaller (Finder),
darunter: Doppelbild, Heimatmuseum Oberhofen
1999: Erste Sondierung im Krautfeld durch das TLMF
Als Hubert Schreier 1998 auf dem gepachteten Acker eine Lanzenspitze fand, war Oberhofen archäologisch noch ein unbeschriebenes Blatt. Es wurde zwar überliefert, dass in alten Zeiten im Krautfeld Häuser standen, etwa wie es eine Szene am Nothelferbild der Pestkapelle zeigt, wo im Umkreis des Sankt Nikolauskirchleins einige gemauerte Häuser zu sehen sind. Fundierte Berichte gibt es aber nicht.
Der Zufallsfund der Lanzenspitze wurde von Bgm. Helmut Kirchmair an das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum (TLMF) gemeldet. Dieser Fund war dann der Anlass für die ersten archäologischen Grabungen durch A. Höck (TLMF) und für die geophysikalischen Untersuchungen durch W. Neubauer (Univ. Wien).
Links: Die Lanzenspitze und der später am selben Acker gefundene Mühlstein
Unten: Die Funde aus dem Bereich der Suchgrabung 1999
Weiters fanden sich Keramikfragmente der späten Eisenzeit „Überraschend erscheinen im Fundbestand einmal mehr Fragmente der sogenannten Fritzens-Sanzeno-Keramik. In die frühe Latènezeit, etwa 450-250 v. Chr., sind sogenannte Fritzener Schalen mit eingerissener Tannenreiszier (Taf. 3, 1.8) oder mit umlaufenden Rillen und horizontalen Dreieckstempeln (Taf. 3, 2) zu datieren….“
Weiters wird berichtet: „Besonders im südlichen Schnitt 2 wurden vermehrt römerzeitliche Keramik zu Tage gefördert. Ihr massiertes Auftreten (…) lässt die Nähe eines römerzeitichen Gebäudes vermuten“.
Quelle: A. Höck/W. Neubauer, Archäologische und geophysikalische Untersuchungen auf dem Krautfeld bei Oberhofen. In: Alexander Zanesco (Hrsg.), Hörtenberg 2. Archäologie und Geschichte im Raum Telfs. Nearchos Sonderheft 7, 2002, 34-56, Taf. 1-3.
Bevor wir nun die Ausgrabungskampagnen im Krautfeld im Einzelnen betrachten, werfen wir einen Blick auf die Besonderheiten dieses Siedlungsplatzes Krautfeld:
Das prähistorische und römerzeitliche Siedlungsgebiet im Krautfeld
Der Blick von Mösern zeigt die besondere Lage von Oberhofen mitten im Inntal. Das Dorf und die Flur Krautfeld liegen auf einer überschwemmungssicheren Schotterterrasse einige Meter über Innniveau (siehe Bild oben, ca. 1930er).
Östlich des Dorfes liegt das prähistorische Siedlungsareal Krautfeld. Wiederum östlich davon endet die Schotterterrasse abrupt und es folgt das niedriger gelegene Aufeld, ursprünglich Auengebiet, das im Laufe der Jahrhunderte kultiviert wurde. Seit der Flurbereinigung in den 1970er Jahren ist die markante Geländestufe allerdings Vergangenheit, der Geländeverlauf wurde nivelliert.
Warum war das Krautfeld für Siedler attraktiv?Â
Fruchtbare Böden: Die alte Postkarte (ganz oben, ca. 1930) zeigt die schwarzen Äcker auf der Schotterterrasse besonders eindringlich.
Lage an Fluss: Der Inn und die Innauen waren vorteilhaft für Fischfang und Jagd. Zusätzlich bot der Fluss eine Barriere nach Norden.
Zugang zu Trinkwasser: Die Innstromkarte aus den 1820er Jahren zeigt die nassen Wiesen im Aufeld, in unmittelbarer Nähe zum Siedlungsgebiet. Dort drang das Grundwasser an die Oberfläche. In den 1920er wurde das Gebiet drainagiert und das glasklare Grundwasser über Entwässerungsgräben in den Inn geleitet. Heute sind die sogenannten Gräben zugeschüttet.
Das prähistorische und römerzeitliche Siedlungsgebiet im Krautfeld
Der Blick von Mösern zeigt die besondere Lage von Oberhofen mitten im Inntal. Das Dorf und die Flur Krautfeld liegen auf einer überschwemmungssicheren Schotterterrasse einige Meter über Innniveau (siehe Bild oben, ca. 1930er).
Östlich des Dorfes liegt das prähistorische Siedlungsareal Krautfeld. Wiederum östlich davon endet die Schotterterrasse abrupt und es folgt das sogenannte Aufeld, ursprünglich Auengebiet, das im Laufe der Jahrhunderte kultiviert wurde. Seit der Flurbereinigung in den 1970er Jahren ist die markante Geländestufe allerdings Vergangenheit, der Geländeverlauf wurde nivelliert.
Warum war das Krautfeld für Siedler attraktiv?Â
Neben der gebannten Wassergefahr hatte der Ort noch andere Vorzüge, die schon die Menschen der Bronzezeit zu schätzen wussten:
Fruchtbare Böden: Die alte Postkarte (ganz oben, ca. 1930) zeigt die schwarzen Äcker auf der Schotterterrasse besonders eindringlich.
Lage an Fluss: Der Inn und die Innauen waren vorteilhaft für Fischfang und Jagd. Zusätzlich bot der Fluss eine Barriere nach Norden.
Zugang zu Trinkwasser: Die Innstromkarte (oben) aus den 1820er Jahren zeigt die nassen Wiesen im Aufeld in unmittelbarer Nähe zum Siedlungsgebiet. Dort drang das Grundwasser an die Oberfläche. In den 1920er wurde das Gebiet drainagiert und das glasklare Grundwasser über Entwässerungsgräben in den Inn geleitet. Heute sind die sogenannten Gräben zugeschüttet.
Was weiß man über die Villa rustica?
Als Villa rustica wird ein römerzeitlicher Gutshof bezeichnet, ein landwirtschaftliches Anwesen mit Herrenhaus, Wirtschaftsgebäuden, Werkstätten und Unterkünften für das Personal, wohl auch für Sklaven.
... mehr
Dezitiert auf die Existenz einer Villa rustica im Bereich des Mauerackers hat 2005 Irmtraut Heitmeier vor allem auf Basis siedlungsgeschichtlicher und topografischer Studien hingewiesen (I. Heitmeier: Das Inntal – Siedlungs- und Raumentwicklung eines Alpentales …).
Die ARDIS-Grabungen der Jahre 2016 bis 2024 untermauern diese Annahmen. Der zusammenfassende Befund dieser Grabungen, die nördlich des Krautfeldweges erfolgten, deutet das Grabungsareal als „Umfeld eines römerzeitlichen Gutshofes“.
Die Reste der Villa rustica liegen wahrscheinlich im Bereich der heutigen Pestkapelle. Nämlich dort wo die alten Streifenfluren (Zustand vor der Flurbereinigung) vom üblichen Nord-Süd-Muster abweichen und stattdessen in Ost-West-Richtung verlaufen. Dieses besondere Areal, ca. 200 Meter lang und 90 Meter breit, war allseitig von Feldwegen umgeben.
Weil alte christliche Kirchen nicht selten auf römerzeitliche Vorgängerbauten zurückgehen, darf man spekulieren, dass das ehemalige St. Nikolauskirchlein (dort wo heute die Pestkapelle steht) mit der Villa rustica in Verbindung stehen könnte. Es sei noch erwähnt, dass der Standort des Kirchleins den Flurnamen Maueracker trägt.
Was weiß man über die Villa rustica?
Die ersten Hinweise auf ein römerzeitliches Gebäude stammen von Anton Höck anlässlich der oben erwähnten Sondierung 1999.
Dezitiert auf die Existenz einer Villa rustica im Bereich des Mauerackers hat erstmals Irmtraut Heitmeier vor allem auf Basis siedlungsgeschichtlicher und topografischer Studien hingewiesen (I. Heitmeier: Das Inntal – Siedlungs- und Raumentwicklung eines Alpentales …).
Die ARDIS-Grabungen der Jahre 2016 bis 2024 untermauern nun diese Annahmen. Das Grabungsareal wird zusammenfassend als „Umfeld eines römerzeitlichen Gutshofes“ bezeichnet.
Die Reste der Villa rustica dürften im Bereich der heutigen Pestkapelle liegen. Nämlich dort, wo die alten Streifenfluren (vor der Flurbereinigung), vom üblichen Nord-Süd-Muster abweichend, in Ost-West-Richtung verlaufen. Dieses besondere Areal, ca. 200 Meter lang und 90 Meter breit, war allseitig von Feldwegen umgeben.
Weil alte christliche Kirchen nicht selten auf römerzeitliche Bauten zurückgehen, darf man spekulieren, dass das ehemalige St. Nikolauskirchlein (beim Maueracker, dort wo heute die Pestkapelle steht) mit der Villa rustica in Verbindung stehen
könnte.
Einige Funde aus dem Umfeld des Gutshofes lassen auf einen gehobenen Lebensstil schließen. Diese Objekte würden durchaus zum Inventar des Herrenhauses passen:
Ein gläsernes Trinkhorn – ein bemerkenswertes Objekt, auch wenn es nur bruchstückhaft erhalten ist.
So könnte es ausgesehen haben. Luxuriöse Trinkhörner sind aus Köln bekannt, wo es hochentwickelte römerzeitliche Glasmanufakturen gab.
Eine zarte Fibel mit angehängten Klapperblechen, Material: Bronze
Ein Fragment einer Schüssel aus Terra sigillata. Zu erkennen ist eine Jagdszene und ein kleiner Eros.
Ein Schmuckelement aus Bronze, frisch aus dem Boden
Ein Riemenverteiler ist Teil eines Pferdegeschirrs.
Die Brocken eines römischen Dachziegels Der flache Stein mit den seitlichen Stegen heißt Tegula . Die Bruchstücke dürften wohl zum Herrenhaus gehören. Normale Gebäude leisteten sich kein Ziegeldach.
Die Dachziegel sind normalerweise glatt. Bei diesem Exemplar jedoch hat der Ziegelmacher Fingerspuren hinterlassen. Römermuseen stellen öfter vergleichbare Fundstücke aus, auf denen Hundepfotenabdrücke erhalten sind.
In der Folge geben wir einen Überblick über die einzelnen Grabungskampagnen im Krautfeld, durchgeführt von der Firma ARDIS in den Jahren 2016, 2021 und 2023. Blau markiert ist die erste Probegrabung im Jahr 1999:
2016: Grabungen am Areal des Recyclinghofes (ARDIS)
Kurz gefasst:Â
Römerzeitliche Mauerreste, allerlei Gruben, prähistorische Scherben
Die Grabungen erfolgten im Mai und Juni 2016 am Bauplatz des Recyclinghofes.
An baulichen Strukturen wurden Reste von zwei Grundmauern gefunden. Sie stammen aus der Römerzeit, bestehen aus gerundeten Innsteinen und sind zum Teil vermörtelt.
Vor allem wurden 44 Gruben verschiedenster Art freigelegt, darunter viele Pfostengruben. Unter den größeren Gruben scheinen Vorratsgruben, Brandgruben und Werkgruben auf, eine wird als Ofengrube angesehen.
Vor allem aus den Grubenverfüllungen kamen zahlreiche Scherben zum Vorschein, die den Perioden von der Bronzezeit über die Eisenzeit bis zur Römerzeit zugeordnet werden.
Quelle:
ARDIS-Bericht „Prähistorisch-römerzeitliche Siedlungsstelle in der Flur Krautfeld“ Oberhofen 2016. Alle nicht näher bezeichneten Fotos ARDIS GmbH, Innsbruck.
Das Ausgrabungsareal 2016 am geplanten Recycling-Hof, Blickrichtung Süd-West.
Das Ausgrabungsareal Blickrichtung West. Im Vordergrund ein römerzeitlicher Mauerzug aus Innsteinen.
2021: Grabungen am Areal der Fa. Cibex (ARDIS)
Kurz gefasst:Â
Kalkproduktion, Gruben geben Rätsel auf, Pfostenlöcher ohne Ende, schöne Kleinfunde
Die Grabungskampagne erfolgte von April bis Ende Juni 2021. Die Grabung beförderte unter anderem acht Objekte zu Tage, die alle mit der Herstellung von Kalk zu tun hatten, wobei ein Objekt sicher als Kalkbrennofen identifiziert wurde.
Wieder waren eine Unmenge von Pfostenlöchern dabei. Tatsächlich wurden 176 kleinere und größere Gruben freigelegt, die einmal für Pfostensetzungen genutzt wurden. Ein „Pfostenwald“, der sich im Laufe der Jahrhunderte ansammelte und dauerhafte Fußabdrücke im Untergrund hinterließ. Der Grabungsbericht betont aber, dass die kleinen Pfostenlöcher, die oft seicht und ohne Steinfüllung ausgeführt waren, zu nichttragenden Elementen wie Trennwände, Inneneinrichtungen oder Zäunen gehörten.
Nicht für alle Gruben ließ sich die Funktion feststellen (blau markiert), meist weil eindeutige Begleitfunde aus den Verfüllungen fehlen. Einige Gruben sind mit Feuer in Berührung gekommen. Das belegen durch Hitze gesprengte Steine, verziegelte Lehmteile und Holzkohlereste.
Objekt Nr. 15 ist für die Archäologen eine besonders schwer zu deutende grubenförmige Struktur (Umriss 1,4 x 2m; siehe Bildergalerie). Das Objekt hat einen komplexen, vielschichtigen Aufbau, überlagerte Steinstrukturen sowie unterschiedlichste Beifunde: Eisenschlacke, eine Nadel einer Bronzefibel, Mörtelbrocken, Speiseabfälle in Form von Tierknochen und Fischreste (vielleicht die eines Hechtes).
Mauerzüge waren auf diesem Areal nicht dabei, aber einige schöne Kleinfunde.
Zusammenfassend wird das ausgegrabene Areal als Werkstattbereich eines römischen Gutshofes gedeutet.
Quelle: ARDIS-Bericht „Prähistorisch-römerzeitliche Siedlungsstelle in der Flur Krautfeld“ Oberhofen 2016. Alle nicht näher bezeichneten Fotos ARDIS GmbH, Innsbruck.
Das Ausgrabungsareal in Blickrichtung Süd-West . Die kleine Pestkapelle ist am oberen Bildrand sichtbar. Unter der Plane in der NO-Ecke befindet sich das ungeklärte Objekt Nr. 15.
Das Ausgrabungsareal in Blickrichtung Süd. Westlich grenzt die ehemalige Hühnerfarm an das Grabungsgelände. Im nördlichen Bereich reichen die Pflugspuren bis in den anstehenden Schotterboden.
Aus der Vogelperspektive: Die schwarze Kulturschicht ist abgeräumt. Der Innschotter vermischt mit lehmigem Moränenmaterial kommt zum Vorschein. Die Fläche muss jetzt noch händisch geputzt (Fachjargon) werden, damit die Umrisse der Gruben sichtbar werden.
2023: Grabungen am Areal der Fa. Steffan (ARDIS)
Kurz gefasst:Â
Münzen der späten Kaiserzeit, schöne Kleinfunde, Fragmente aus Glas, wieder Kalkgruben, Mauerreste, Hüttenlehm
Die Grabungskampagne erfolgte von Ende April bis Ende Juni 2023. Diesmal waren besonders viele Kleinfunde dabei, bemerkenswert die vielen römischen Münzen der Kaiserzeit, Pferdegeschirrteile, Glasfragmente und überraschend eine seltene Fibel mit Klapperblechen.
Wie beim Nachbarareal wurden etliche Gruben aufgedeckt, die mit der Herstellung von Kalk zu tun haben.
Mauerreste und Pfostengruben sind die Überbleibsel von Bauwerken. An mehreren Stellen fand sich Hüttenlehm mit den Abdrücken der Baumstämme. Hüttenlehm entsteht, wenn der Lehm mit dem die Blockbauten abgedichtet wurden, durch Brandeinwirkung verziegelt. Ein deutlicher Hinweis auf Wohn- Stall- oder Werkstattgebäude.
Resümee: Die aufgefundenen Strukturen und Kleinfunde bestätigen die römerzeitlichen Aktivitäten und weisen das Areal als einem nahen Gutshof zugehörig aus.
Quelle:
ARDIS-Bericht „Prähistorisch-römerzeitliche Siedlungsstelle in der Flur Krautfeld KG Oberhofen“, Juli 2023. Alle nicht näher bezeichneten Fotos ARDIS GmbH, Innsbruck.
Das Grabungsareal in Blickrichtung Nord-West an der Stelle wo die östliche Halle der Hühnerfarm stand.
Schon bei der Sondierung im April 2023 stieß man unter dem ehem. Hühnerstall auf die ersten Münzfunde.
Münzfunde motivierten das Grabungsteam, besonders weil sie sehr gut erhalten sind. Sie ermöglichen eine einfache Zeitbestimmung der Fundschichten. Alle Münzen vom Krautfeld stammen aus der späten Kaiserzeit. Die Vorderseite zeigt meist das Porträt des Prägeherrn (des Kaisers), die Rückseite dient meist der Glorifizierung des Imperators oder der Darstellung der römischen Götterwelt.































































